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Fehlen Fahrer oder Arbeiter? (Bearbeiten)

Nicht dass wir uns falsch verstehen, Fahren ist Arbeit und sogar harte Arbeit!

Was sind denn die Tätigkeiten eines Fahrers?

In dem Bild des Lkw-Fahrers in der Öffentlichkeit fährt der Fahrer von A nach B, das kann fast jeder, genauso wie Autofahren.

Welche Tätigkeiten von einem Fahrer zusätzlich ausgeführt werden, darüber macht sich die Öffentlichkeit keine Gedanken, warum auch? Strom kommt aus der Steckdose, Sprit aus der Säule und Essen aus dem Supermarkt.

Lkw-Fahrer müssen Multitalente sein, nicht jeder muss alle aufgeführten Tätigkeiten ausführen, es gibt große Unterschiede in der Art der Beförderung. Man kann also kein Stückgutfahrzeug mit der Tätigkeit auf einem Tankwagen vergleichen. Weiterhin kommt es noch darauf an, ob der Fahrer national oder international unterwegs ist usw.

1. Der Fahrer ist für sein Fahrzeug verantwortlich, er muss sich in der Technik des Lkw auskennen.
Als Pkw-Fahrer würde ich jetzt sagen, nichts Neues, das muss ich auch. Der Unterschied ist aber, dass ich verschiedene Fahrzeuge und Kombinationen nicht nur bedienen, sondern auch auf Verkehrssicherheit prüfen können muss. Als kleines Beispiel: Fragen Sie sich einmal, wann das letzte Mal bei einer Polizeikontrolle die Bremsscheiben Ihres Pkw von der Polizei kontrolliert wurden.

Er muss wissen, welche Fahrzeugkombinationen er fahren darf und welche nicht, er muss das Eis von dem Aufbau entfernen, ohne dafür eine wirklich praktikable Möglichkeit zu haben. Er muss sicherstellen, dass das Fahrzeug alle notwendigen Prüfungen durchlaufen hat, UVV, TÜV, SP, Tachoprüfung.

Hier sind nur ein paar Unterschiede zwischen dem privaten Autofahrer und dem professionellen Lkw-Fahrer beschrieben, es gibt noch viele, die aber den Rahmen hier sprengen würden.

2. Transportpapiere
Der Fahrer muss wissen, welche Papiere er für welchen Transport benötigt und wie diese ausgefüllt sein müssen, spezielle Papier, die z. B. bei einem Gefahrguttransport, Lebensmittel- oder Tiertransport erforderlich sind, müssen mitgeführt werden.

3. Transportplanung
Wie führe ich am besten meinen Transportauftrag unter Beachtung von:
- Terminen beim Kunden
- Kürzester Strecke
- Umfahrung von Staus
- Beachtung der Pausenzeiten nach dem Arbeitszeitgesetz und den Lenk- und Ruhezeiten
- Einbeziehung von den Fahrzeugmaßen (Brücken, Sperrungen)
- Fahrverboten (Ferienreiseverordnung, Wochenendfahrverboten, Feiertagen in bestimmten Bundesländern)
- Vorschriften für Lkw in anderen Ländern
- Grenzübertritt und Verzollung
- ....

Hier lasse ich die Liste einmal enden, man könnte noch viel mehr aufführen.

Jetzt sollte der gewillte Pkw-Fahrer merken, nur von A nach B fahren ist quatsch, viele lassen sich die Strecke auf der Fahrt in den Urlaub vom ADAC ausarbeiten, weil sie nicht durch die Mautpflicht durchblicken oder die Verkehrsregeln in anderen Ländern beachten müssen, das ist für den Lkw-Fahrer tägliches Brot.

4. Vorschriften für die Ladungssicherung
Beim Kunden angekommen muss der Fahrer seinen Lkw in der Regel auch noch selber beladen, diese körperliche Anstrengung steht im krassen Gegensatz zu der sitzenden Tätigkeit beim Fahren.

Wenn der Fahrer Pech hat, kommt er beim Kunden erst nach langer Wartezeit zum Beladen an die Reihe, Ruhezeitplanung kaputt, Tagesplanung umstellen und der Ruhe und Arbeitsrhythmus wird beeinflusst, was sich natürlich wieder auf die Aufmerksamkeit beim Fahren auswirkt.

Hat der Fahrer schließlich seinen Lkw so beladen, dass er die Ladung nach der Tourenplanung am Empfängerstandort ausladen kann und dabei die vorgeschriebenen Achslastgewichte beachtet hat, zusätzlich auch noch so, dass er die Ladung auch noch nach der VDI 2700 sichern kann, hat er meine Hochachtung.

Hier unterscheiden sich nicht zuletzt die Theorie, die von der Polizei kontrolliert wird, mit der Machbarkeit in der Praxis. Wenn der Fahrer bei einer sehr guten Firma beschäftigt ist, kann das zwar unter der Beachtung der Gegebenheiten vor Ort und durch die Disposition oder das eingesetzte Fahrzeug funktionieren, die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr gering.

Der Fahrer darf per Gesetz nur solche Transporte durchführen, bei denen alle Gegebenheiten passen, in der Realität funktioniert das allerdings sehr selten und ein Fahrer, der sich 100 % an das Gesetz halten würde, wäre nicht wirtschaftlich oder gar nicht unterwegs.

Obwohl also der Fahrer den Umstand nicht ändern kann, wird er mit Bußgeldern dafür zur Verantwortung gezogen, er hätte einen unsicheren Transport eben nicht durchführen dürfen.

Ich möchte nicht verschweigen, dass viele unserer Fachkräfte mit Führerschein sich außerhalb der Weiterbildungen nicht einmal mit der Ladungssicherung auseinandersetzen, alles zu kompliziert, zu zeitaufwendig usw. auch wenn es in den letzten Jahren durch Kontrollen und nicht zuletzt durch die vorgeschriebene Weiterbildung besser geworden ist.

Hier sollte einfach besser kontrolliert werden, dass die Unternehmen ihrer Pflicht nachkommen und die Fahrer besser oder überhaupt in diesem Thema schulen lassen, damit meine ich nicht die Theorie in einer Fahrschule, sondern die Praxis am eigenen Fahrzeug. Hier wären Bußgelder effektiver als nur den Fahrer dafür zu belangen, dass er die Ladungssicherung nicht richtig macht oder kann.

Für die Experten unter uns ja Halter und Verlader haften mit, die Frage ist aber, ob diese Haftung ausreichend ist bzw. in der Praxis ausreichend mit Bußgeldern dazu bewegen, den Fahrer besser zu unterstützen.

Fazit:
Wenn ich mir nur die hier nicht vollständig aufgeführten Aufgaben vor Augen führe, dann bedenken muss, dass der Fahrer trotz Stau, Wartezeiten, Be- und Entladearbeiten nur in der Regel inklusive Pausen 13 Stunden täglich zur Verfügung hat, braucht sich kaum einer die Frage zu stellen, ob der Beruf attraktiv ist oder nicht.

Meiner Meinung nach dürfen bis auf wenige Ausnahmen im Privatkundenbereich, die Be- und Entladetätigkeiten nicht auf den Fahrer entfallen.

Wartezeiten an den Be- und Entladestellen entstehen nicht selten durch Willkür oder falsche Planung bei den Kunden, belasten aber den Fahrer.

Würde hier jemand eingreifen und das notfalls durch gesetzliche Reglungen, wäre das ein Schritt in die Richtung den Beruf attraktiver zu machen und die Verkehrssicherheit zu fördern.

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